Bürgerbeteiligung

Andreas Gottschalk

Mit der Zunahme der globalen Vernetzung durch die Digitalisierung hat sich die Komplexität der Welt schlagartig erhöht. Bekannte Verfahren der Interessendurchsetzung in der Kommunalpolitik produzieren keine befriedigenden Lösungen und bleiben weit hinter den Ansprüchen der betroffenen Bürger zurück. Bei der Bewältigung komplexer Probleme können Partizipationsverfahren helfen, den unterschiedlichen Interessen und Haltungen Sichtbarkeit zu verschaffen und diese in gemeinschaftlich erarbeitete Lösungsmuster zu überführen. Deshalb haben sich in den letzten Jahren vielerorts Verfahren zur Bürgerbeteiligung etabliert.

Die Beteiligung von Bürgern an der Entwicklung einer Kommune oder einer Region hat viele Facetten. Während die Stadt Heidelberg mit den bundesweit gelobten „Leitlinien“ zur Beteiligung von Bürgern einen für sich einklagbaren Standard formuliert hat, gilt es für uns als Urban Innovation – Stadt neu denken! e.V. , die Bewährung der Leitlinien in der Praxis zu evaluieren und den Prozess gegebenenfalls mit eigenen Verbesserungsvorschlägen zu unterstützen.

Aber wir denken Bürgerbeteiligung nicht nur als einen formalisierten Diskursrahmen. Vielmehr bestehen darüber hinaus auch eine Reihe informeller Möglichkeiten, das Ortswissen der Bürger in die urbane Entwicklung einfließen zu lassen. Formelle und informelle Verfahren der Partizipation befinden sich aus dieser Perspektive nicht in Rivalität, sondern ergänzen einander.

In diesem Zusammenhang sind wir uns auch bewusst, dass Bürgerbeteiligung nicht nur in Heidelberg stattfindet. Auf der ganzen Welt können die verschiedensten Partizipationsformen beobachtet werden: Deshalb lohnt es sich, die Verfahren anderer Kommunen – nicht nur in Deutschland, sondern auch international – zu untersuchen und auf deren Anwendbarkeit im Rhein-Neckar-Raum zu überprüfen.