FoMo Mobilitäts-Konferenz #1: Otto-(Hoch-)bahn

Online-Konferenz am 19. Januar 2021 mit 45 Teilnehmern, davon ein GR-Mitglied, ein städtischer Angestellter.
https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberg-kuenftig-in-kapseln-durch-die-stadt-_arid,612949.html

Künftig in Kapseln durch die Stadt?

Münchner Start-up stellte innovatives Verkehrskonzept vor – „Stadt kommt nicht umhin, sich mit der ,Ottobahn’ zu befassen“
Von Maria Stumpf / RNZ, 21.1.2021
Noch ist es ein Gedankenexperiment, fünf Meter über den Straßen in Kapseln durch die Stadt zu schweben. Aber ginge es nach den Veranstaltern einer Online-Veranstaltung zum Thema, sollte man doch zumindest die Möglichkeiten prüfen. Visualisierung: Ottobahn

Es stauen sich mal wieder die Autos: Verkehrschaos in Heidelberg. Was tun? Beim Münchner Start-up „Ottobahn“ tüftelt man an einer originellen, ja revolutionären Lösung: „Wir entwickeln ein emissionsfreies und vollautomatisiertes Transportsystem in etwa fünf Meter Höhe oberhalb heutiger Straßen. Es besteht aus Kabinen, die schienengebunden fortbewegt werden, und jede Fahrt ist individuell geplant“, erklärte Geschäftsführer Marc Schindler sein innovatives Gondelverkehrssystem.
Schindler war Gast einer virtuellen Veranstaltung, die der „Verkehrsclub Deutschland“ (VCD) und der Heidelberger Verein „Urban Innovation – Stadt neu denken!“ ausgerichtet haben. Das Thema: Mobilität von morgen. Zur Online-Konferenz begrüßten Albrecht Kern und Nils Herbstrieth außerdem Michael Braum von der Internationalen Bauausstellung (IBA). Vertreter der Stadtverwaltung waren laut Kern den Einladungen nicht gefolgt. Etwas mehr als 40 Interessierte hatten sich im Internet zugeschaltet.
„Die Ottobahn hat das Potenzial, eine Verkehrsrevolution auszulösen und die Art, wie sich Menschen in und zwischen Städten bewegen, komplett zu verändern“, ist sich Marc Schindler sicher. Zwar dreht das futuristische Gondelsystem bislang noch in einer Halle bei München von einem Akku angetrieben seine Runden, doch schon im Frühjahr will das Unternehmen eine Außenreferenzstrecke von einem Kilometer testen, so Schindler. Das Gondelsystem soll dann in wenigen Jahren überall dort surren, wo Menschen oder Güter bewegt werden müssen.
Was die Ottobahn von einer Seilbahn oder auch Schwebebahn unterscheidet, sollen Flexibilität und Effizienz sein. Die Kapseln für bis zu vier Personen oder eine Tonne Ladung werden nicht fest auf dem Schienennetz sitzen. Stattdessen sollen sie von Hebevorrichtungen auf- und abgenommen werden können – wie ein Fahrstuhlsystem, das je nach Bedarf an Kabeln herabgelassen wird.
Feste Haltestellen gibt es nicht. „Die kleinen Kapseln sausen in der Höhe mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde an jedem Stau vorbei durch ein Netz mit ausgeklügeltem Steuersystem. Sie werden mit einer nutzerfreundlichen App genau dort unterwegs sein, wo sie gebraucht werden.“ Zwischen Städten können laut Unternehmensführung auch mehrere Kapseln als Kolonne unterwegs sein und dabei bis zu 250 Kilometer pro Stunde erreichen.
Seine Effizienz habe das System der Softwaresteuerung zu verdanken, sagte Schindler. Tausende Kapseln sollen von intelligenten Algorithmen in Echtzeit so koordiniert werden, dass jede von ihnen immer freie Fahrt hat, Not- und Ausfälle mit einberechnet. Die Softwareplattform, die das alles möglich macht, sei die eigentliche Herausforderung bei der Entwicklung. „Wir verstehen uns eher als Softwarefirma, nicht als Mobilitätsunternehmen“, betonte der Unternehmer.
Schindlers Ausführungen stießen auf wohlwollende Zustimmung, aber auch auf Bedenken. Es ging dabei nicht nur um die Kostenfrage. Eine Verkehrswende weg vom Individualverkehr sei nur möglich, wenn der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) ein benutzerfreundliches Angebot mache und Komfort- und Lifestyle-Fragen verbinde, stimmte Michael Braum von der IBA zu: „Die Fahrt muss zum Erlebnis werden.“ Eine besondere Hürde sei aber in diesem Fall, wie sich das Gondelsystem städtebaulich integrieren lasse.
Trotzdem sind die Veranstalter sicher, dass man in Heidelberg mit dem Unternehmen „Ottobahn“ in Kontakt bleiben wird. „Wir machen für das Hochbahnnetz auf allen Kanälen Werbung“, versprach Albrecht Kern. „Die Stadt wird nicht umhin kommen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Bis Ende des Jahres sollte eine Machbarkeitsstudie vorliegen.“
Info: Mehr Information zum Thema gibt es im Internet auf den Seiten www.urbaninnovation.de sowie auf www.ottobahn.de.

Anlagen: Video, RNZ-Cartoon (RNZ, 25. Januar 21, S. 4) und Netzkonzept-Entwurf

Mitschnitt der online-Konferenz (Einleitung Abrecht Kern: bis 17. Min., Beitrag Ottobahn: ab 17. Min.,Beitrag Prof. Michael Braum: ab 29. Min.,Fragen und Antworten: ab 40. Min.)
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